Steinburgs Höfe
Gemeinsam Zukunft bauen
Wie vielerorts in Schleswig-Holstein sind die Landschaft und Ortskerne im Kreis Steinburg geprägt von historischen landwirtschaftlichen Gebäuden (Reetdachhöfe, kleine Katen, urige Geestgehöfte). Diese alten Höfe erzählen Geschichte. Sie stehen für Tradition, handwerkliches Können und regionale Identität. Leider ist die ursprüngliche Nutzung heute vielfach nicht mehr zeitgemäß und so stehen viele dieser Gebäude vor großen Herausforderungen: Leerstand, hoher Sanierungsbedarf und fehlende Nutzungsperspektiven gefährden ihren Erhalt.
Hier zeigt das Regionalprojekt Steinburgs Höfe [2018-2025] eindrucksvoll, wie sich mit Fachwissen, einem starken regionalen Netzwerk und gezielter Förderung kulturelles Erbe bewahren und gleichzeitig zukunftsweisend gestalten lässt.
Neues Leben auf alten Höfen im Kreis Steinburg
Ein erfolgreiches Regionalprojekt für Baukultur und Dorfentwicklung
Der Ansatz, Erhalt und Nutzung miteinander zu verbinden, hat sich im Kreis Steinburg bewährt. Genauso wie die kollektive Zusammenarbeit von Fachleuten aus Architektur, Verwaltung, Denkmalpflege und Bauwesen sowie engagierten Eigentümerinnen und Eigentümern. Dafür wurden Strukturen geschaffen, Unterstützungsleistungen und eine ergänzende Investitionsförderung ins Leben gerufen. Auch wenn nicht jede Beratung zu einem Förderantrag oder einer konkreten Umsetzung führte, konnte wertvolles Wissen generiert werden, um individuelle Wünsche und die nachhaltige Entwicklung ländlicher Räume voranzubringen.
Eine erfolgreiche Bilanz
- 8 Jahre Projektlaufzeit, davon 4 Jahre LEADER-Förderprojekt (Fördersumme 100.000 €)
- 133 kostenlose Erstberatungen (Gesamtwert 33.250 €)
- Erarbeitung von 84 Nutzungskonzepten (Gesamtwert 210.000 €)
- Vielfältige Maßnahmen mit Möglichkeit zur finanziellen Unterstützung über die GAK
- Aufbau umfassendes Netzwerk von Architekten, Denkmalpflege, Kreisbauaufsicht und Kreisentwicklung
- Ein Projekt mit Leuchtturmcharakter fürs Regiobranding
Steinburgs Höfe haben Zukunft: für 84 historische Gebäude wurden individuelle Nutzungskonzepte als Wohn- und Wirtschaftsräume erarbeitet. Im Fokus standen landwirtschaftliche Gebäude im Kreis Steinburg, die vor 1945 errichtet wurden.
Im Mittelpunkt: Netzwerken und fachlicher Austausch
Enge Zusammenarbeit von Hofbesitzern, Architekten und Fachbehörden
Die enge Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten ermöglichte abgestimmte Lösungen, die sowohl den Anforderungen des Denkmalschutzes als auch den praktischen Bedürfnissen der Eigentümer gerecht wurden. Der Projekterfolg war maßgeblich von diesem Austausch und der gemeinsamen Arbeit geprägt.
Genaues Hinsehen
Architektin Christine Scheer faszinierte am Projekt „Steinburgs Höfe“ besonders, die Auseinandersetzung mit der Geschichte, die Liebe zu alten Dingen und das genaue Hinsehen. Alte Gebäude, so beschreibt sie es, eröffnen immer neue Perspektiven. Wer sich intensiv mit ihnen beschäftigt, entwickelt ein tieferes Verständnis für ihre Entstehung und Nutzung.
Wertvoller Austausch
Architektin Fr. Rudolf und Architekt Hr. Weeren beschreiben die Zusammenarbeit als vertrauensvoll und wohlwollend. Ziel war es, gemeinsam Wünsche zu erkunden, Vorstellungen zu entwickeln und Ideen schrittweise zu konkretisieren. Flexibilität spielte dabei eine zentrale Rolle, denn die Arbeit mit historischer Bausubstanz bringt stets neue Herausforderungen mit sich. „Besonders wertvoll waren dabei das Netzwerk und das Beratungsgremium mit Akteuren unterschiedlicher Fachrichtungen und Perspektiven.“
Den Hof des Hofes wegen erhalten
Familie Lubenow hat in Kollmar ein Zuhause mit Geschichte und Perspektive gefunden. Die Offenheit für unterschiedliche Ideen, die breite architektonische Beratung und der dynamische Prozess ermöglichten es, Nutzung und Erhalt gemeinsam zu denken. Mit klarem Anspruch: „den Hof des Hofes wegen erhalten. Er ist in seiner Bedeutung größer als wir und soll auch in 200 Jahren noch seine Geschichte erzählen.“
Gemeinsam neue Perspektiven entwickeln
Eva Groher begleitete das Projekt „Steinburgs Höfe“ organisatorisch und inhaltlich. Besonders reizvoll war für sie die Arbeit mit bestehenden, ortsbildprägenden Gebäuden und deren Geschichte. Aus diesen festen Strukturen gemeinsam neue Perspektiven zu entwickeln, verstand sie als zentralen Ansatz des Projekts. „Zu erleben, wie aus Gesprächen und gemeinsamen Überlegungen konkrete Perspektiven entstehen, war sehr bereichernd.“
Die Idee für Steinburgs Höfe entstand im Rahmen des Bundesforschungsprojekts Regiobranding und entwickelte sich zu einem umfassenden Ansatz, der Beratung, fachliche Begleitung, Förderinstrumente und Vernetzung miteinander verbindet. Offizieller Projektstart war ein LEADER-Förderprojekt 2018–2021 der AktivRegion Steinburg (Antragsteller) und der AktivRegion Holsteiner Auenland. In einer zweiten Phase wurde das Projekt unter dem Namen „Steinburgs Höfe“ (2022-2025) fortgeführt mit Fokus auf die Weiterentwicklung der Beratungsangebote sowie die Möglichkeit, Investitionen gezielt zu fördern. Die Förderung wurde aus Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes ermöglicht. Diese erfolgt unter Einbindung des Schleswig-Holsteinischen Landwirtschaftsministeriums und des Landesamtes für Landwirtschaft und nachhaltige Landentwicklung.
Das Projekt umfasste fünf Bausteine. Ihr Zusammenspiel ermöglichte eine ganzheitliche und zielgerichtete Betrachtung der Gebäude und fachliche Begleitung der Eigentümer und Eigentümerinnen, von der Idee bis zur konkreten Umsetzungsplanung.
„Steinburgs Höfe“ steht exemplarisch dafür, wie Neues Leben auf alten Höfen, trotz anspruchsvoller baurechtlicher Anforderungen, gelingen kann. Die Kombination aus Beratung und Förderung war ein wichtiger Schritt, um den Anstoß für einen nachhaltigen Umgang mit historisch wertvoller Bausubstanz zu geben. Viele Menschen konnten erreicht werden. Bei Interesse wenden Sie sich gerne an das Amt für Kreisentwicklung unter denkmalpflege[at]steinburg.de.















